Was ist eine Add-on Acquisition?
Eine Add-on Acquisition ist der Zukauf eines kleineren Zielunternehmens — des sogenannten Add-ons — durch eine bestehende Plattformgesellschaft. Sie ist der wichtigste Baustein einer Buy-and-build-Strategie: Über eine Reihe sequenzieller Add-ons entsteht aus einer Ausgangsplattform schrittweise eine größere, breiter aufgestellte Gruppe.
Add-ons sind typisch für Sektoren mit hoher Anbieterzahl und geringen Eintrittsbarrieren — von Pflegeheimketten über IT-Dienstleister, Fenster- und Türenhersteller bis zu spezialisierten Industriedienstleistungen. Im deutschen Mittelstand sind sie häufig der Weg, auf dem aus einer regionalen Mittelstandsplattform ein DACH- oder europaweiter Anbieter wird.
Add-on vs. Bolt-on — der feine Unterschied
Inhaltlich beschreiben beide Begriffe denselben Sachverhalt. In der Praxis hat sich eine leichte Konvention etabliert: Add-on wird häufiger im Private-Equity-Kontext verwendet, Bolt-on stärker im strategischen Kontext großer Konzernzukäufe. Im deutschen Mittelstand sind beide Begriffe synonym im Gebrauch — Eichenbach verwendet sie austauschbar, je nach Käufertyp und Kontext.
Warum Add-ons den Plattformwert steigern
Der bekannteste Werttreiber bei Add-on-Strategien ist die sogenannte Multiple Arbitrage. Sie beschreibt den Effekt, dass eine zu einem höheren Multiple bewertete Plattform ein Add-on zu einem niedrigeren Multiple einkaufen kann. Sobald das Add-on Bestandteil der Plattform ist, wird sein Ergebnisbeitrag implizit zum höheren Plattform-Multiple bewertet.
Beispielrechnung: Eine Plattform mit 10 Mio. € EBITDA wird mit 10× bewertet — Enterprise Value 100 Mio. €. Sie kauft ein Add-on mit 2 Mio. € EBITDA zu 6× — Kaufpreis 12 Mio. €. Nach Integration trägt das Add-on 2 Mio. € zum EBITDA bei; bei gleichbleibendem Plattform-Multiple steigt der Enterprise Value der Plattform um 20 Mio. €. Der rechnerische Wertgewinn aus Multiple Arbitrage beträgt 8 Mio. € — ohne dass operative Synergien notwendig wären.
In der Praxis kommen häufig operative Synergien hinzu: gemeinsame Einkaufsvolumen, geteilte Backoffice-Strukturen, kombinierte Vertriebskanäle.
Ablauf einer Add-on-Transaktion
Ein Add-on-Prozess ist meist deutlich schlanker als ein klassischer Sell-side-Prozess. Käuferkreis und Strategie sind klar, Finanzierung oft vorgeklärt — das verkürzt die Laufzeit auf sechs bis neun Monate. Ablauf: Plattformstrategie und Akquisitionsprofil, Erstansprache und NDA, indikative Bewertung und Letter of Intent, Due Diligence, SPA-Verhandlung, Signing und Closing, danach Integration.
Bewertung und Kaufpreis
Add-ons werden im Mittelstand typischerweise mit Multiples zwischen dem Vier- und Achtfachen des EBITDA bewertet — abhängig von Größe, Wachstum, Profitabilität, Kundenkonzentration und der zweiten Managementebene. Sehr kleine Add-ons („Tuck-ins" unter 1 Mio. € EBITDA) liegen meist am unteren Ende dieser Bandbreite, große und strategisch besonders relevante Add-ons können sich der Bewertung der Plattform annähern.
Strukturell sind Add-ons häufig Share Deals mit klassischem Cash-Free-/Debt-Free-Mechanismus. Häufig kommen Earn-out-Komponenten zum Einsatz.
Häufige Fragen
Was ist eine Add-on Acquisition?
Eine Add-on Acquisition ist der Zukauf eines kleineren Zielunternehmens durch eine bestehende Plattformgesellschaft. Sie ist der wichtigste Baustein einer Buy-and-build-Strategie und dient der schrittweisen Konsolidierung fragmentierter Märkte unter einer gemeinsamen Plattform.
Was ist der Unterschied zwischen Add-on und Bolt-on Acquisition?
Inhaltlich gibt es keinen Unterschied — beide Begriffe bezeichnen denselben Sachverhalt. 'Add-on' wird häufiger im Private-Equity-Kontext verwendet, 'Bolt-on' eher im strategischen Kontext großer Konzernzukäufe. Im deutschen Mittelstand werden beide Begriffe synonym genutzt.
Was ist Multiple Arbitrage bei Add-ons?
Multiple Arbitrage beschreibt den Wertgewinn, der entsteht, wenn eine zu einem höheren Multiple bewertete Plattform ein Zielunternehmen zu einem niedrigeren Multiple einkauft. Beispiel: Eine Plattform mit 10× EBITDA kauft ein Add-on zu 6× EBITDA — der Wertzuwachs beträgt rechnerisch 4× EBITDA des Zielunternehmens.
Wie lange dauert ein Add-on-Prozess?
Sechs bis neun Monate vom ersten Kontakt bis Closing — und damit deutlich kürzer als ein klassischer Sell-side-Prozess (neun bis zwölf Monate). Der Käuferkreis ist konzentriert, die Plattform hat eine klare Akquisitionsstrategie, die Finanzierung ist meist vorgeklärt.
Brauche ich als Verkäufer eines Add-ons einen M&A-Berater?
In den meisten Fällen ja. Plattformen sind erfahrene Käufer mit mehreren Add-on-Transaktionen pro Jahr; Verkäufer verhandeln meist nur einmal. Ein Berater sichert Preisniveau, gestaltet die Strukturierung, verhandelt SPA-Garantien und kann weitere Plattformen als Wettbewerb einbinden.
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