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Editorial Stillleben — zweipoliger Spannungsprüfer, eine Reihe farbiger Aderendhülsen und eine Messing-Klemmleiste auf hellem Eichentisch bei Tageslicht, Symbol für Mandate im Elektrohandwerk
Branchen · Elektrohandwerk

Elektrobetrieb verkaufen.

Kaum ein Handwerk ist so gefragt wie das Elektrohandwerk. Der Verkauf scheitert trotzdem regelmäßig an einer einzigen Frage: wer nach Ihnen der Meister ist.

Marktbild

Wie der Markt für Elektrobetriebe steht.

Das Elektrohandwerk profitiert wie kaum ein anderes Gewerk von der Energiewende. Photovoltaik und Speicher, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpenanbindung und Gebäudeautomation haben die Auftragslage über Jahre auf einem Niveau gehalten, das die Kapazitäten übersteigt. Der Engpass ist nicht die Nachfrage, sondern das Personal.

Gleichzeitig ist der Nachfolgedruck hoch. Viele Betriebe sind inhabergeführt, die Inhaber sind Meister ihres Fachs und häufig über sechzig. Wer keinen Nachfolger in der Familie oder im Betrieb hat, trifft auf einen ungewöhnlich aufnahmefähigen Käufermarkt.

Kapitalgestützte Plattformen haben das Handwerk als Segment entdeckt und kaufen seit einigen Jahren systematisch regionale Betriebe zusammen. Hinzu kommen Energieversorger und Gebäudetechnik-Konzerne, die Ausführungskapazität sichern wollen. Für Verkäufer ist das eine gute Ausgangslage — vorausgesetzt, die handwerksrechtlichen Fragen sind geklärt.

Bewertung

Was am Markt gezahlt wird.

Typische Bandbreite

4–6× bereinigtes EBITDA

Bereinigtes EBITDA nach kalkulatorischem Unternehmerlohn und marktüblicher Miete, falls die Betriebsimmobilie dem Inhaber gehört.

Betriebe mit substanziellem Wartungsvertragsbestand und überwiegend gewerblicher Kundenstruktur erreichen deutlich höhere Faktoren als reine Installationsbetriebe im Privatkundengeschäft. Zwei Bereinigungen sind in dieser Branche fast immer nötig und werden von Verkäufern regelmäßig übersehen: ein kalkulatorischer Unternehmerlohn für die Mitarbeit des Inhabers und eine marktübliche Miete, wenn Halle oder Werkstatt im Privatvermögen liegen.

Wie sich diese Bandbreite zu anderen Branchen verhält und warum der Multiple nicht der Auszahlungsbetrag ist, steht in unserer Übersicht der M&A-Multiples im Mittelstand.

Was die Bandbreite verschiebt
  • Anteil wiederkehrender Wartungs- und Serviceerlöse
  • Gewerbliche gegenüber privater Kundenstruktur
  • Spezialisierung in Automation, Photovoltaik oder Ladeinfrastruktur
  • Größe und Fluktuation des eigenen Monteurstamms
  • Vorhandensein weiterer Meister im Betrieb
  • Auftragsbestand und dessen Kalkulationsqualität
Werttreiber

Was in dieser Branche den Preis macht.

Wartungs- und Serviceverträge

Wiederkehrende Erlöse aus Wartung, Prüfungen nach den einschlägigen Vorschriften und Servicevereinbarungen werden deutlich höher bewertet als Projektgeschäft. Sie sind planbar, margenstark und binden Kunden. Ein Betrieb mit substanziellem Vertragsbestand liegt klar über der Bandbreite eines reinen Installationsbetriebs.

Gewerbliche statt privater Kundenstruktur

Gewerbliche und öffentliche Auftraggeber bringen größere Auftragsvolumina, bessere Zahlungsmoral und wiederkehrenden Bedarf. Ein Betrieb, der überwiegend Kleinaufträge für Privatkunden abwickelt, ist aufwendiger zu führen und wird entsprechend niedriger bewertet.

Spezialisierung in gefragten Feldern

Gebäudeautomation, Photovoltaik mit Speicher, Ladeinfrastruktur und Sicherheitstechnik sind die Felder, in denen derzeit die Aufschläge gezahlt werden. Entscheidend ist der Nachweis: abgeschlossene Referenzprojekte, geschultes Personal und die erforderlichen Zulassungen.

Eigener Monteurstamm

Ein eingearbeitetes Team aus Gesellen und Monteuren mit niedriger Fluktuation ist für viele Erwerber der eigentliche Kaufgrund. Betriebe, die überwiegend mit Subunternehmern arbeiten, verkaufen schwieriger, weil der Erwerber keine Kapazität übernimmt, sondern nur Verträge.

Netzbetreiberzulassungen und Zertifizierungen

Die Eintragung im Installateurverzeichnis der Netzbetreiber und einschlägige fachliche Zertifizierungen sind Voraussetzung für weite Teile des Geschäfts. Sie sind betriebsgebunden und müssen nach dem Verkauf fortbestehen.

Prüfpunkte

Woran Prozesse scheitern.

Die Punkte, die in dieser Branche am häufigsten Kaufpreis kosten — und die sich mit Vorlauf fast alle abarbeiten lassen.

  • Der Inhaber ist der einzige Meister

    Der Betrieb steht in der Handwerksrolle, weil ein Meister als Betriebsleiter benannt ist. Scheidet dieser aus, ohne dass ein anderer die Funktion übernimmt, ist die Eintragung und damit die Ausübung des zulassungspflichtigen Handwerks gefährdet. Das ist der mit Abstand häufigste Grund, warum Verkäufe im Handwerk scheitern — und es lässt sich nur mit Jahren Vorlauf lösen.

  • Gewährleistung aus Anlagenprojekten

    Photovoltaik-, Speicher- und Automationsprojekte tragen Gewährleistungsrisiken über Jahre. Unzureichend bemessene Rückstellungen und offene Reklamationen wandern in den Garantiekatalog und häufig in einen Einbehalt.

  • Keine Nachkalkulation je Auftrag

    Wo nicht ausgewertet wird, welcher Auftrag welchen Deckungsbeitrag erbracht hat, kann der Käufer die Ertragsqualität nicht beurteilen. Gerade bei Mischbetrieben aus Projekt- und Servicegeschäft ist das eine erhebliche Bewertungshürde.

  • Offene Forderungen und Zahlungsmoral

    Ein hoher Bestand an überfälligen Forderungen, insbesondere aus dem Privatkundengeschäft, mindert das Working Capital und wirft Fragen zur Abrechnungsdisziplin auf. Beides wirkt sich unmittelbar auf den Kaufpreis aus.

Käuferlandschaft

Wer Elektrobetriebe tatsächlich kauft.

Kapitalgestützte Handwerksplattformen

Der derzeit aktivste Käufertyp. Sie kaufen regional verdichtend, professionalisieren Einkauf und Verwaltung und erwarten im Gegenzug saubere Zahlen und eine Führung, die nach dem Closing bleibt.

Energieversorger und Stadtwerke

Versorger, die Ausführungskapazität für Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Wärmewende sichern wollen. Sie zahlen für Kapazität und Personal und bieten häufig besonders stabile Perspektiven für die Belegschaft.

Gebäudetechnik-Konzerne

Überregionale Anbieter technischer Gebäudeausrüstung, die ihr Leistungsspektrum regional schließen. Prozesse sind formalisiert, die Integration folgt einem festen Muster.

Regionale Wettbewerber und MBI

Benachbarte Betriebe oder ein Meister mit Eigenkapital, der sich selbstständig machen will. Für kleinere Betriebe oft die realistischste Lösung — und die einzige, die das Meisterproblem zugleich löst, weil der Erwerber die Qualifikation selbst mitbringt.

Besonderheiten

Was diese Branche von anderen unterscheidet.

Die Meisterfrage ist die Kernfrage

Ein zulassungspflichtiger Handwerksbetrieb braucht einen Meister als Betriebsleiter. Beim Share Deal bleibt die Gesellschaft eingetragen, aber die Person des Betriebsleiters muss weiterhin gestellt werden. Wer einen angestellten Meister im Betrieb hat oder einen Erwerber findet, der selbst Meister ist, verkauft deutlich leichter. Ohne diese Lösung schrumpft der Käuferkreis erheblich — dieser Punkt gehört an den Anfang der Vorbereitung.

Betriebsimmobilie und Miete

Halle, Lager und Werkstatt gehören häufig dem Inhaber persönlich. Ob sie mitverkauft oder langfristig vermietet werden, ist steuerlich folgenreich; bei bestehender Betriebsaufspaltung ist vorher steuerlicher Rat einzuholen. Für die Bewertung muss das Ergebnis um eine marktübliche Miete bereinigt werden.

Zulassungen bleiben am Betrieb

Eintragungen in Installateurverzeichnissen und fachliche Zertifizierungen sind an das Unternehmen und die dort tätigen Fachkräfte gebunden. Beim Share Deal bestehen sie fort; beim Asset Deal muss der Erwerber sie neu erwerben. Auch das spricht im Handwerk klar für den Share Deal.

Fragen & Antworten

Was Inhaber am häufigsten fragen.

Was ist mein Elektrobetrieb wert?

Marktüblich sind vier bis sechs Mal das bereinigte EBITDA, bei hohem Wartungsvertragsbestand und gewerblicher Kundenstruktur auch deutlich mehr. Zwei Bereinigungen sind dabei entscheidend und werden oft übersehen: ein kalkulatorischer Unternehmerlohn, weil viele Inhaber operativ mitarbeiten und sich unter Marktniveau vergüten, und eine marktübliche Miete, wenn die Betriebsimmobilie im Privatvermögen liegt. Ohne diese Korrekturen entsteht ein Ergebnis, das der Käufer in der Due Diligence ohnehin nach unten rechnet.

Ich bin der einzige Meister im Betrieb — kann ich trotzdem verkaufen?

Ja, aber der Käuferkreis verengt sich deutlich, und die Frage gehört an den Anfang der Vorbereitung. Ein zulassungspflichtiger Handwerksbetrieb muss einen Meister als Betriebsleiter stellen. Es gibt drei gangbare Wege: Sie stellen rechtzeitig einen Meister ein oder qualifizieren einen Gesellen weiter, Sie verkaufen an einen Erwerber, der selbst Meister ist, oder Sie verkaufen an eine Gruppe, die die Funktion aus dem Verbund besetzen kann. Alle drei brauchen Vorlauf — die erste Variante mehrere Jahre.

Wie wirken sich Wartungsverträge auf den Kaufpreis aus?

Sie sind der wirksamste Hebel, den Sie vor einem Verkauf noch bedienen können. Wiederkehrende Erlöse aus Wartung und wiederkehrenden Prüfungen sind planbar, margenstark und binden Kunden — Käufer bewerten sie deutlich höher als Projektgeschäft. Wichtig ist die Dokumentation: schriftliche Verträge mit Laufzeit und Preisanpassungsklausel, sauber getrennt vom Projektgeschäft ausgewiesen. Wer das zwei Jahre vor dem Verkauf systematisch aufbaut, verschiebt den Multiple spürbar.

Lohnt sich der Verkauf an eine Handwerksplattform?

Das hängt davon ab, was Ihnen neben dem Preis wichtig ist. Plattformen zahlen in der Regel wettbewerbsfähig, entscheiden schnell und haben Prozessroutine — erwarten aber saubere Unterlagen und meist, dass die Führung eine Übergangszeit bleibt. Für Standort und Belegschaft bedeutet das Professionalisierung, aber auch Veränderung in Abläufen und Einkauf. Wer Wert auf größtmögliche Kontinuität legt, fährt mit einem regionalen Wettbewerber oder einem MBI-Kandidaten häufig besser. Beide Wege sind legitim; die Entscheidung gehört vor die Käuferansprache.

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Georg Mayer, M.Sc. — Ansprechpartner bei Eichenbach

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